Protonen und die deutsche Gesundheitsfürsorge

Methodische Umstellung

Der Ersatz der Röntgenbestrahlung durch Protonen-Centren wird die dritte technisch-methodische Umstellung der Radiotherapie sein. Sie unterscheidet sich wesentlich von den bisherigen Methodenänderungen:

  • Wie nach der Ortsdosisverteilung physikalisch zu deduzieren, und nach Zahlen aus Loma Linda und Harvard (alte Forschungsanlage HCL) für bestimmte Tumorarten bereits klinisch verifiziert, ist der therapeutische Gewinn verglichen zur bisherigen Entwicklung wesentlich größer. Es lassen sich epidemiologische Modelle rechnen, nach denen mindestens 5 % der Bevölkerung deutlich durch die mit Protonenbestrahlung erzielbare Lebensverlängerung profitieren.
  • Die Protonenbeschleuniger sind extrem teuer. Somit resultieren Centren mit 120 Mio. € Investitionskosten und bis 50 Mio. € Betriebskosten pro Jahr. Die Investitionskosten werden wesentlich durch den Beschleuniger (Zyklo- oder Synchrotron mit 250 MeV Maximalenergie) und die Kontrollsoftware bestimmt. Betriebswirtschaftlich werden die Anlagen daher erst mit "strahlsättigenden" 4-5 Therapieplätzen pro Beschleuniger sinnvoll. Sie sind unvermeidlich "therapeutische Großanlagen".
  • Die hohe Produktivität der Centren vermeidet jedoch eine Explosion der Behandlungskosten. Die therapeutischen Vorteile der Protonenbestrahlung werden damit einen Ersatz der Linearbeschleunigereinheiten auslösen, ohne an der Finanzierbarkeit zu scheitern. Allerdings lassen sich nach unseren Studien die Betriebskosten nur dann kontrollieren, wenn die Centren durch ein privatwirtschaftliches Management „industriell" im Mehrschichtbetrieb geführt werden.

Es ist zu erwarten, dass die in der Bundesrepublik Deutschland existierenden ca. 400 Linearbeschleuniger (möglicherweise auch die nur 4 Gamma-Knifes) durch
10 - 20 Protonen-Centren langfristig abgelöst werden. Dies wird ärztlicherseits massive soziale Konsequenzen und eine Polarisierung der Meinungsbildung bewirken.

Finanzierung

Es erscheint uns realistisch, dass der Übergang zu Protonen-Centren der veraltungsbedingten Aussteuerungsrate von Linearbeschleunigern folgt, die bei 7 % pro Jahr liegen dürfte. Eine derartige Ersatzquote würde im Bereich der Bundesrepublik Deutschland ein neues Protonen-Center häufiger als alle 12 Monate bedeuten. Wir glauben nicht, dass dieses Investitionstempo derzeit mit öffentlichen Mitteln zu verwirklichen ist. Wir sind aufgrund der von uns ausgearbeiteten Wirtschaftspläne (cash-flow-Modell HYPOVEREINSBANK, WESTDEUTSCHE LANDESBANK und BDO Deutsche Warentreuhand) der Meinung, mit privatem Investorkapital Protonen-Centren mit einem Patientendurchsatz von 4.000 Fällen pro Jahr wirtschaftlich gestalten zu können. Die Voraussage für die notwendigen Preise bei Pflichtversicherten liegt dabei zwischen 100 % und 200 % der derzeit aus statistischen Gründen (ICD-Statistik unter den Auspizien des Gesundheitsstrukturgesetzes) nicht exakt bekannten Gesamt-Fallkosten für stationäre Linearbeschleunigerbehandlung. Es darf auch nicht außer Augen geraten, dass in Deutschland Geschwulstträger falls nicht geheilt, dann mit wesentlich größerem Aufwand (Fallpauschalen Hochdosischemotherapie mit Stammzelltransplantation von 90.000 bis 160.000 €) letztlich bis zum Tode behandelt werden.