Abbildung 1
Abbildung 2

Therapeutische Leistung

Leistungszahlen

Die Anlage ist auf 4.000 behandelte Patienten pro Betriebsjahr ausgelegt. Diese Patientendurchsatzzahl kann sich unter günstigen Umständen auf 5 extremenfalls auf 6.000 pro Jahr erhöhen. Diese Leistungserhöhungen treten dann auf, wenn die Anlagen mit niedrigeren Sitzungszahlen pro Fall auskommen, siehe Grundlagen. Sie lassen sich somit verwirklichen, falls

  • Die Tendenz zur Hypofraktionierung (Rücknahme der Sitzungszahl und Behandlungszeiten) von 20 in Richtung 10 Sitzungen / Bestrahlungen pro Patient an jeweils gleich vielen Tagen sich empirisch bestätigen lässt und fortsetzt.
  • Die in klinischer Erprobung stehende Protonenbestrahlung von Bronchialkarzinomen (statt Operation) mit niedrigen Sitzungszahlen weiter Platz greift.
  • Die multitargeting capability des scanning-Systems zu einer breiten Anwendung bei der palliativen Bestrahlung von Tumormetastasen führt (diese werden in nur wenigen Sitzungen bestrahlt).

Therapeutisches Spektrum (RPTC München)

Das therapeutische Spektrum des RPTC ist ein Resultat der physikalischen Überlegenheit der Dosisverteilung von Protonenstrahlen gegenüber Röntgenstrahlen (siehe Grundlagen). Weiter ein Resultat der bereits durchgeführten und bis zur Inbetriebnahme des RPTC noch laufenden Studien Protonen versus Operation (Bronchialkarzinome, Prostata, Akustikusneurinome) und anderer klinischer Untersuchungen. Überdies ein Resultat der technischen Fortentwicklung des RPTC über den heutigen Anlagenstand hinaus (Multitargeting für Metastasen, Mammatumorbehandlungen). Das therapeutische Spektrum des RPTC umfasst somit:

  • Alle bisher mittels Linearbeschleunigern oder verwandten Geräten mit Röntgenstrahlen therapierten Tumore. Dabei wird das RPTC am Patienten durch individuelle Dosisberechnung nachweisen, dass im Sinne des §81 Abs. 3 der Strahlenschutzverordnung StrlSchV vom 01.08.2001 die Dosis außerhalb des Zielvolumens niedriger gehalten wird als bei der Anwendung von Röntgenstrahlen. Die strahlenmedizinische Zulassung des RPTC wird die Protonenbestrahlung als „Ersatz" für Röntgenstrahlung ausweisen, somit das gesamte Spektrum der Radioteletherapie umfassen.
  • Zusätzlich jene bisher aufgrund ungünstiger Nebenwirkungsspektren mit Röntgen kaum behandelbaren Tumore, die bestrahlungsgeeignet wären. Beispiele sind unter anderem die bereits jetzt handbuchmäßig für Protonenbestrahlung indizierten Hypophysenadenome, Retinoblastome, Chordome und zahlreiche andere Malignome.
  • Bronchialkarzinome (als Operationsersatz). Zur Zeit in Loma Linda laufende Vergleichsstudien Operation versus Protonenbestrahlung bei Bronchialkarzinomen weisen auf eine Überlegenheit der Protonentherapie hin.
  • Metastasenpalliation zur Leidensminderung. In ausgewählten Fällen allerdings können Metastasen auch mit kurativer Absicht (Hoffnung auf vollständige Heilung) bestrahlt werden, als häufigste Möglichkeit metchrone multiple Lebermetastasen (nach Dickdarmkarzinomen), die einer Röntgentherapie wegen der Gefahr der Strahlenhepatitis nicht zugänglich waren.

Die technische Auslegung des RPTC ist so, dass sämtliche dieser Tumoren auch bei Kindern und bei Sitz in der Atmungs-bewegten Lunge bzw. Leber behandelt werden können, wo zur Optimalisierung der Immobilisation und damit der Zielpräzision Narkosen, gegebenenfalls Intubationsnarkosen notwendig sein mögen. Es versteht sich von selbst, dass die Anlage für Bestrahlung von Tumoren in allen Körperregionen ausgelegt ist: Das RPTC wird das erste europäische großklinische Zentrum für Protonen mit umfassenden Therapiemöglichkeiten sein. Ethische Pflicht und Selbstverständlichkeit ist es, dass das Center nicht nur allen Erkrankungen, sondern auch allen Erkrankten, gleich ob privat- oder sozialversichert, offen steht.

Patientendurchlauf

Abbildungen 1 und Abbildungen 2 zeigen schematisiert den Patientendurchlauf. Im Gegensatz zu anderen Anlagenplanungen ist für das RPTC charakteristisch, dass hier großer Wert auf die „staging Diagnostik" innerhalb des Centers gelegt wird: Es kann nicht angenommen werden, dass der Nachweis einer noch lokalen Begrenzung des Krebses, somit Metastasenausschluss, Einteilung des Tumors in Stadien, (sprich staging) durch zuweisende Institutionen nach immer gleichen Qualitätskriterien vorgenommen wird. Zudem muss bedacht werden, dass insbesondere zu Betriebsbeginn eher anders nicht behandelbare, schwer bestrahlbare fortgeschrittenere Stadien eingewiesen werden (negative Patientenselektion). Es ist daher schon zur Ergebniskontrolle des Centers dringend notwendig, sämtliche Patienten mittels tumorbezogener Diagnosealgorithmen im Hause auf das Vorhandensein von Metastasen zu untersuchen. Dies wird im Allgemeinen mit bildgebenden Verfahren (Computertomographie und Kernspintomographie, in manchen Fällen mit Positron-Emissions-Tomographie - PET-CT) vorgenommen. Die Zahl der dafür einzusetzenden Ärzte, die Generierung von Patientendaten und die quantitativen und forensischen Aspekte hieraus sind Thema intensiver Entwicklungsarbeit in der PROHEALTH. Die Möglichkeit des Multitargetings in dem RPTC-Bestrahlungsverfahren eröffnet über diesen Sicherungsaspekt hinaus auch noch für den Patienten den Vorteil der zusätzlichen Bestrahlung entdeckter Metastasen.