ERFAHRUNGSBERICHT ZWÖLFTER MONAT KLINISCHER BETRIEB RPTC, März´10
VOR EINEM JAHR, AM 16. MÄRZ 2009, BEGANN DIE BESTRAHLUNG DES ERSTEN PATIENTEN AM RPTC.
SIE FINDEN HIER UNSEREN JAHRESBERICHT.
UNSERE ERSTE AUFBAUPERIODE IST VORÜBER - HOCHPRÄZISE KREBSBESTRAHLUNG MIT PROTONEN-SCANNING ENTWICKELT SICH LANGSAM ZUR ROUTINE. WIR WERDEN SIE ABER WEITERHIN ÜBER UNSERE TÄTIGKEIT INFORMIEREN: IN VIERTELJAHRESBERICHTEN. BITTE SCHENKEN SIE UNS WEITERHIN IHRE AUFMERKSAMKEIT.
RINECKER PROTON THERAPY CENTER
EIN JAHR AUFBAU UND KLINISCHE ERFOLGE
PIONEERING PROTON CANCER THERAPY IN EUROPE
Krebsbehandlung - heutiger Stand,
heutige Fortschritte in der Bestrahlungstherapie
KREBS: OPERATION, CHEMOTHERAPIE UND BESTRAHLUNG
Krebsbehandlung – heutiger Stand, heutige Fortschritte in der Bestrahlungstherapie
Die Verlängerung der durchschnittlichen Lebensdauer in Europa ist untrennbar verbunden mit einem häufigeren Auftreten von Krebs (450.000 Neuerkrankungen in 2010 in der BRD laut Robert Koch - Institut). Die Sterblichkeit der Krebserkrankungen konnte bisher nicht wesentlich unter 50 % gesenkt werden, obwohl aufgrund verbesserter Vorsorgeuntersuchungen immer mehr Frühbehandlungen durchgeführt werden. Von den drei Säulen der Krebstherapie, Operation, Chemotherapie und Bestrahlung hat die Chirurgie aus heutiger Sicht ihren Zenit erreicht, sie ist risikoärmer geworden (Anästhesie, Intensivtherapie), sie kann dank verbesserter Diagnostik (Endoskopie, CT, Kernspin) früher eingreifen, die technische Ausweitung der Operationen (Radikalität) aber wurde in den letzten Jahren eher zurückgenommen. Chemotherapie, mit ihr Immun- und Hormontherapien sind erfolgreich, unterliegen aber bei soliden Tumoren (im Gegensatz zur Leukämie) dem Problem der Resistenzbildungen der Tumorzellen, die zur Wiederausbreitung überlebender Tumorzellen führen, Chemotherapie erreicht damit meist nur eine Lebensverlängerung, nicht aber Heilung. Die Gentherapie ist in weiter Ferne; es existieren heute keine Verfahren, die die zehn- bis zwanzigtausend Genmutationen der Krebszellen unter Kontrolle bringen könnten.
Strahlentherapie, die mit wenigen Ausnahmen (Isotopentherapie) – bisher – mit Röntgenstrahlen vorgenommen wurde, entwickelte sich mit neueren Röntgengeräten (IMRT, Cyberknife, Tomotherapie, Rapid Arc) in jüngster Zeit zu ihrer Höchstleistung. Diese Fortschritte können das Handicap der Röntgenbestrahlung aber nicht beseitigen: Es ist eine Durchschussmethode, sie kann seitlich, aber nicht in der dritten Dimension, in der Tiefe gezielt werden. Abhängig von der Körper- und Tumorgeometrie schlägt die 3- bis 5-fache Dosis der Tumordosis unvermeidbar verteilt in das gesunde Umgebungsgewebe, die entstehenden Kollateralschäden und Nebenwirkungen begrenzen einsetzbare Tumordosis und Wirksamkeit von Röntgen gleichermaßen.
Die neue Partikel- oder Ionentherapie, in der optimierten Form des Protonen-Scannings umgeht diese Unzulänglichkeiten der Ortsdosisverteilung: Die Partikelbestrahlung ist auch in der dritten Dimension, in der Tiefe zielbar und wirkt damit konzentriert im Tumor. Sie schont das gesunde Gewebe. Dies hat in Japan und in den Vereinigten Staaten einen Run auf die Partikel- oder Protonenbestrahlung ausgelöst, derzeit sind in Japan und USA zusammen 12 größere klinische Center mit Partikelbestrahlung in Betrieb, bis Ende dieses Jahres werden wohl weltweit 23 Protonen- und ähnliche Partikelanlagen die Röntgentherapiegeräte ersetzen, weitere 15 stehen im Bau oder sind geplant (siehe Anhang 1 Partikelanlagen weltweit).
Die erste große Protonentherapieanlage in Europa
Europa hinkt hinterher. Es gab bisher nur kleine Anlagen, die entweder experimentell sind (Paul Scherrer Institut bei Zürich, Orsay, Uppsala) oder, mangels Eindringtiefe nur für Augen geeignet (Hahn-Meitner-Institut in Berlin, Nizza, Catania, Clatterbridge), oder Forschungsinstitute (für Schwerionen und Protonen Heidelberg). Mit einem klinischen Start vor einem Jahr, am 16. März 2009, nahm die erste europäische Großanlage für die Protonentherapie des Krebses, das RINECKER PROTON THERAPY CENTER, in München die Patientenversorgung auf. Sie wird seither schrittweise aufgebaut: Restfertigstellung und klinischer Betrieb gehen Hand in Hand. Das RPTC ist die Pionier-Anlage Europas mit mindestens einem Jahr Vorsprung vor allen anderen zur Gesundheitsversorgung zugelassenen Zentren. Wir berichten über unser erstes Jahr Aufbau und klinischer Betrieb.
KLINISCHE TÄTIGKEIT AM RPTC IM ERSTEN JAHR
- Das RPTC hat vor einem Jahr die behördliche Genehmigung zur Behandlung aller bisher mit Röntgen bestrahlbaren Tumore erhalten. Es hat bis heute 77 verschiedene Krebsarten und Lokalisationen therapiert (siehe Anhang 2 bisher behandelte Tumore).
- Bestrahlt wurden Patienten aus 20 Nationen (siehe Anhang 3 Patientenherkunft).
- Davon waren 65 % inländische Versicherte von gesetzlichen Krankenkassen, die mit uns Verträge abgeschlossen haben oder Einzelfälle genehmigen (siehe Anhang 4 gesetzliche Krankenkassen, die Protonentherapie vergüten). 35 % waren bisher privat versicherte oder ausländische Patienten.
- Völlig abgeschlossen wurden bisher 134 Behandlungen, derzeit stehen 320 Patienten in der Diagnostik oder in laufender Bestrahlung.
- Der größte bestrahlte Tumor umfasste 3,8 Liter, unser jüngster Patient war 4 Jahre alt, der älteste 88 Jahre. Ein Viertel der Patienten behandelte das RPTC nach vorhergehender, erfolgloser Röntgenbestrahlung.
- Besondere Aufmerksamkeit gilt krebskranken Kindern und Jugendlichen, die wir in Zusammenarbeit mit einem großen Münchner Pädiatriezentrum behandeln. Bei Kindern gilt die mit Protonen mögliche Schonung der Umgebung zur Vermeidung von strahleninduzierten Spättumoren wie auch Wachstumsschäden als nahezu unverzichtbar.
- Derzeit führt das RPTC an drei der fünf zukünftigen Bestrahlungsplätze im Teilzeitbetrieb täglich bis zu 40 Bestrahlungen durch, die weitere Fertigstellung wird 2010 die Anlage zur Vollkapazität von 4.000 Behandlungen jährlich führen.
PROTONEN-SCANNING AM RPTC
- Das RPTC setzt die weiterentwickelte vollelektronische Protonen-Scanning-Methode ein, wobei der Tumor in einzelnen, sich überlappenden Bestrahlungspunkten (bis über 10.000 Spots) abgetastet wird. Jeder dieser Punkte ist Dosis-vermessen. Das Auftreten von Tumorhöchstdosen außerhalb des eigentlichen Zielgebiets, also im Gesunden, wird beim Scanning völlig vermieden (siehe Anhang 5 Grafik Ortsdosisprofil). Mit diesem Verfahren wird ein absolut gleichmäßiges, vom Therapeuten optimal der gewünschten Ortsdosis im Tumor und in der Tumorumgebung (spread) anpassbares dreidimensionales Dosisprofil gesichert.
- Alle weltweit neu in Auftrag gegebenen Partikelbestrahlungsanlagen werden in Zukunft ebenfalls Scanning-Systeme einsetzen.
- Das RPTC verfügt über eine Strahlleistung, die gemessen an Intensität, Eindringtiefe und Strahlpräzision, weltweit unübertroffen ist (siehe Anhang 6 Datenblatt).
- Mit unserem CT- und Röntgen-gestützten Zielsystem (image guided radiotherapy) wird bereits eine Zielpräzision von besser als 1 mm erreicht.
- Nach der Inbetriebnahme des ersten von vier gleichartigen Ganzkörperbestrahlungsplätzen (Gantries) im März 2009 wurde der zweite Therapieplatz im November 2009, der dritte jetzt im März 2010 in Betrieb genommen. Die Vollkapazität wird mit dem vierten Therapieplatz ab Juni 2010 erreicht, dann folgt ein spezieller Platz für die Augenbestrahlung und die Therapie kleinster Tumore im Schädelbereich (siehe Anhang 7 Kapazitätsaufbau).
- Unsere Protonentherapie-Anlage wurde vom Weltmarktführer Varian Medical Systems, Palo Alto, USA geliefert, überwiegend aber in Deutschland gebaut, die Diagnostik-Geräte (2 Kernspins, 2 CT´s und ein PET/CT) stammen von Philips, Hamburg.
UNSERE MITARBEITER
Parallel zum technischen Ausbau der Anlage suchen wir laufend weitere Mitarbeiter!
Derzeit beschäftigt das RPTC
3 Fachärzte für Radioonkologie
1 Facharzt für Radiodiagnostik
1 Facharzt für Anästhesie
5 Medizinphysiker
3 Physiker
8 medizinisch-technische Radiologie Assistenten
5 Pflegekräfte und klinisches Hilfspersonal
14 Mitarbeiter der Technik und Verwaltungen
ca. 15 Mitarbeiter des Varian-Teams
Tumorboard mit bedarfsweise Fachärzten für Hämatoonkologie, Urologie, Chirurgie und anderen.
Weitere Radioonkologen, Medizinphysiker und medizinisch-technische Radiologie Assistenten stehen im Einstellungsverfahren.
KOMMUNIKATION
- Über die Hälfte der Patienten, die die Nachricht erhalten, an einem Krebs zu leiden, informieren sich auch im Internet.
- Monatliche Aufrufe im Internet für RPTC/ProHealth von 1.282 steigend auf 19.747. Monatliche Telefonanfragen im Callcenter bis zu 2006 (siehe Anhang 8 Grafik Patienanfragen).
- Übersicht Monatsberichte des RPTC im Internet während des ersten Betriebsjahres mit ausführlichen Falldarstellungen und technischen Erläuterungen (siehe Anhang 9 Monatsberichte).
- Übersicht Presseartikel (siehe Anhang 10 Presseübersicht).
AUSGEWÄHLTE FALLBEISPIELE
Im Anhang finden Sie 5 Fallbeispiele
- mit kurzer Verlaufsdarstellung vor der Behandlung,
- mit einem Röntgenvergleichsplan,
- mit dem tatsächlichen Protonen-Dosisplan, mit dem der Patient am RPTC therapiert wurde,
- gegebenenfalls mit Verlaufs-Computertomographien.
(Anhang 11 ausgewählte Fallbeispiele)
FIRMENSTRUKTUR
- Betriebsgesellschaft RPTC: ProHealth AG, München
Anteilseigner:
AD Verwaltungs-GmbH & Co. KG (Dr. Rinecker) 92,00 %
HypoVereinsbank Unicredit AG 4,00 %
WestLB AG 4,00 %
- Besitzgesellschaft RPTC: E.6 München GmbH
Anteilseigner:
ProHealth AG 30,00 %
NRW.Bank 17,46 %
Dr. Hans Rinecker 2,54 %
Imetra KG
(Fondgesellschaft der Hannover Leasing) 50,00 %
- Zulassungsträger RPTC:
- Klinische Betriebsgenehmigung: ProHealth AG
- Klinische Betriebskonzession: Chirurgische Klinik Dr. Rinecker
GmbH & Co. KG
- Aufnahme Strahlenheilkunde im Bayerischen Krankenhausplan:
Chirurgische Klinik Dr. Rinecker GmbH & Co. KG
- Leistungsträger für gesetzliche Krankenkassen (gemäß SGB V §§
116 b, 140 a, b): Chirurgische Klinik Dr. Rinecker GmbH & Co. KG
- Bauphasen – Fremdfinanzierung: ursprüngliche ausbezahlt
Kreditzusage
HypoVereinsbank Unicredit AG 46,00 Mio. € 28,73 Mio. €
West LB AG, Düsseldorf 45,00 Mio. € 28,10 Mio. €

