ERFAHRUNGSBERICHT SIEBTER MONAT KLINISCHER BETRIEB RPTC, OKTOBER ´09
AM RPTC BISHER BEHANDELTE TUMORARTEN
Das am RPTC von uns ausschließlich eingesetzte Scanning-Verfahren ermöglicht im Vergleich mit anderen Protonenbestrahlungsverfahren oder gar herkömmlichen Röntgentherapieverfahren eine optimale Gestaltung der Dosisverteilung und damit Anpassung an den Tumor (siehe frühere Monatsberichte). Zusammen mit den am RPTC verwendeten Immobilisierungsverfahren, einschließlich der revolutionären Methode zur Unterdrückung von Zielgebietsbewegungen durch Einsatz von Anästhesie, konnten deshalb bereits in den ersten sieben Monaten eine große Anzahl von verschiedenen Tumorarten behandelt werden. Insgesamt konnten bereits an 24 Lokalisationen im Körper vom Schädel über den Nacken, den Thorax (Brustkorb), das Abdomen (Bauchraum) bis hinab zum Becken Tumoren behandelt werden (siehe Tabelle). Dieses Therapiespektrum wird am RPTC mit der jetzt stattfindenden Verdopplung der Behandlungskapazität weiter ausgebaut werden. Die behördliche Zulassung für das RPTC umfasst alle bisher mit Röntgen bestrahlten Tumore.
BISHERIGE KOSTENÜBERNAHMEN DURCH KRANKENVERSICHERUNGEN
Die Behandlung von Tumoren mit Protonenstrahlen im Scanning-Verfahren wird von gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen. Hierzu haben eine Anzahl von Krankenversicherungsträgern mit dem RPTC Verträge geschlossen. Dementsprechend läuft die Aufnahme von Patienten, die in solchen Kassen versichert sind reibungslos. Darüberhinaus haben auch eine Reihe von weiteren gesetzlichen Krankenversicherungsträgern zwar mit dem RPTC noch keinen Rahmenvertrag abgeschlossen, in Einzelfallentscheidungen aber bereits die Protonentherapie am RPTC bezahlt. Eine Aufstellung der gesetzlichen sowie privaten Krankenversicherungen, deren Patienten bereits am RPTC behandelt wurden, finden Sie in folgender Übersicht (Übersicht).
HERKUNFTSLÄNDER UNSERER PATIENTEN
Weltweit wird die Protonentherapie, insbesondere in USA und in Japan, in mehreren Therapiezentren angeboten. Eine Reihe weiterer Zentren ist im Aufbau und wird bald mit der Behandlung von Patienten beginnen. Dennoch ist die weltweit vorhandene Kapazität bei Weitem noch nicht ausreichend, um den Bedarf abzudecken. Insbesondere das am RPTC eingesetzte Scanning-Verfahren sucht hinsichtlich seiner Präzision und Einsatzmöglichkeiten noch seines Gleichen. Deshalb verwundert es nicht, dass am RPTC Patienten aus aller Welt um eine Behandlung nachsuchen. So haben wir bereits in den ersten sieben Monaten Patienten aus 15 Ländern innerhalb und außerhalb Europas bestrahlen können (siehe Tabelle).
VERDOPPELUNG DER BEHANDLUNGSKAPAZITÄT UND ENDFERTIGSTELLUNG DES RPTC
Gantry 1. Klinischer Betrieb im Scanning-System seit März 2009 durchgehend. Dieser erste Therapieplatz hat bereits in den ersten hundert Betriebstagen eine Zuverlässigkeit von über 97 % erreicht. Alle bisher behandelten Patienten wurden hier bestrahlt.
Gantry 2. Klinischer Betriebsbeginn 30. Oktober 2009. Der zweite Behandlungsplatz ist identisch zum Ersten und arbeitet ebenfalls im Scanning-System. Er verdoppelt die Behandlungskapazität des RPTC.
Gantry 3. Klinischer Betriebsbeginn Februar 2010. Wiederum ein identischer Therapieplatz in Scanning-Technik. Die bisherige Behandlungskapazität wird sich verdreifachen.
Gantry 4. Klinischer Betriebsbeginn Juni 2010. Ebenfalls eine Scanning-Gantry, mit der das RPTC seine volle Betriebskapazität für größere Tumore erreicht. Allerdings wird diese vierte und letzte Gantry bereits mit einer „schnelleren“ Version der Kontrollsoftware ausgestattet, die ein zeitsparendes Umschalten des Protonen-Beams von Gantry zu Gantry gewährleistet, um durch Umschaltvorgänge keine Zeit und Behandlungskapazität zu verlieren.
Software-Upgrade Gantries 1 – 3. Im Juli 2010 wird diese schnellere Software bei den ersten drei Gantries nachgerüstet. Damit erhält die Anlage in Ihrer Strahlzuteilung genügend zeitliche Spielräume, um auch den letzten fünften Therapieplatz anzukoppeln.
Fixed Beam-Therapieplatz für Augen und kleine Tumore. Dieser fünfte und letzte Therapieplatz soll im November 2010 oder früher in den klinischen Betrieb gehen. Er dient einmal zur Behandlung sehr kleiner Tumore, wie sie an sich nur diagnostizierbar sind und entdeckt werden, wenn sie im oder am Gehirn die Funktion einzelner Nerven beeinträchtigen. Dazu gehören auch Tumore, vornehmlich Melanome, in den Augen. Bei diesen sehr kleinen Tumoren kann der an sich am RPTC schon präzise Protonenstrahl durch individuelle Schablonen noch besser eingegrenzt werden, als mit dem bei den größeren Tumoren überlegenen Spot-Scanning-System möglich ist. Das ist sicher am Auge der Fall, bei den kleinen Hirntumoren wird dieses Kleinfeld-Scattering-Verfahren mit unserem erprobten Scanning-Verfahren in Konkurrenz stehen. Wir haben diesen Therapieplatz hinten angestellt, da in Berlin eine Anlage für Augentumore ausreichender Kapazität existiert. Unser Augentherapieplatz ist mit einem neuartigen, hochpräzisen Zielsystem geplant, das einen deutlichen Fortschritt darstellt. Es gewährleistet auch die vorgeschriebene lückenlose Dokumentation der Bestrahlungsgeometrie, im Gegensatz zu den bisherigen Verfahren. Diese Verbesserungen stehen zur Zeit in Entwicklung.
Erhöhung der täglichen Betriebszeit. Derzeit teilen sich der Hersteller Varian und der klinische Betreiber ProHealth täglich die Anlage, schon aus Gründen der Strahlenschutzverantwortlichkeit ist ein gleichzeitiges Arbeiten leider nicht möglich, wodurch die zur Patientenversorgung zur Verfügung stehende Zeit eingeschränkt wird. Der Arbeitsanteil des Herstellers kann jedoch ab Februar 2010 zurückgeführt werden. Wir hoffen, auch hierdurch unsere Wartelisten verkürzen zu können.
Weltführende Anlage mit Scanning-System. Da das RPTC über vier Therapieplätze mit dem eine optimale Dosisverteilung erlaubenden (und den Patienten von der bei der Behandlung größerer Tumore mit Scattering-Systemen signifikanten Neutronen-Streustrahlung frei haltenden) Scanning-System verfügt, erwarten wir noch in 2009 weltweit die Anlage mit der höchsten täglichen Frequenz an Scanning-Bestrahlungen zu werden und bereits im ersten Vierteljahr 2010 die anderen, schon länger im Betrieb stehenden Anlagen mit Scanning-Systemen in der kumulierten Patientenzahl und in der Erfahrung überholen zu können.
