April 2009

ERFAHRUNGSBERICHT ERSTER MONAT KLINISCHER BETRIEB RPTC, APRIL ´09

Anlagenzuverlässigkeit. Die Anlage wird seit der ersten Patientenbestrahlung am 16.03.2009 fünf Tage pro Woche klinisch eingesetzt. Sie war in den ersten vier Betriebswochen an allen diesen 20 Tagen betriebsfähig und konnte das gesamte Bestrahlungsprogramm abwickeln.

Zeitbedarf pro Bestrahlung. Während die allererste Bestrahlung noch 55 Minuten Patientenaufenthaltszeit am Bestrahlungsplatz in Anspruch nahm, werden mittlerweile  sogar schon die für dieses Betriebsjahr angestrebten Aufenthaltszeiten von 20 Minuten erzielt; danach darf der Patient den Bestrahlungsplatz wieder verlassen. Wir nähern uns damit trotz noch laufender zusätzlicher Sicherheitschecks bei jeder Einzelbestrahlung den später geplanten 15 Minuten Verweilzeit pro Patient.

Präzisions-Zielsystem. Wesentlichen Anteil am Zeitbedarf für die Behandlung hat das neuartige, bisher in der Welt einmalige, verbesserte Positionierungssystem am Bestrahlungsplatz. Es besteht aus zwei gleichzeitig arbeitenden, außerhalb des Protonen-Behandlungsstrahles angebrachten, digitalisierten Röntgen-Durchleuchtungssystemen. Sie vergleichen automatisch, aber bildschirmüberwacht die Lage des Patienten mit aus dem Ziel-Computertomogramm errechneten Positionsbildern. Dies erlaubt eine Positionierungsgenauigkeit im Bereich eines Millimeters. Die Anlage beruht auf einer Entwicklung und einem Patent der Rinecker-Gruppe, das der PROHEALTH AG exklusiv zur Verfügung gestellt wurde. Der großen Bedeutung des Patents wegen haben die Firmen Siemens und Accel (!) gegen die Patenterteilung Einspruch erhoben, unterlagen aber in erster Instanz.

Bayerischer Krankenhaus-Bedarfsplan. Die mit dem RPTC kooperierende Chirurgische Klinik Dr. Rinecker wurde am 16.03.2009 nun auch für „Strahlentherapie“ in den Krankenhausplan des Freistaates Bayern aufgenommen. Da dies ausschließlich aufgrund der Protonentherapie erfolgte, ist sie damit die erste in Deutschland auch zur Krankenhausbehandlung gesetzlich versicherter Patienten mit Protonenbestrahlung staatlich lizenzierte Klinik.

Status Warteliste. Trotz der bewusst eingeschränkten Öffentlichkeitsarbeit erreichten unser Call-Center in den ersten vier Wochen insgesamt 910 Anfragen von Patienten, die mit der noch beschränkten initialen Anlagenkapazität nur zu einem kleinen Teil bisher in Behandlung genommen werden konnten. Wir haben mit der Bestrahlung von Prostatakarzinomen begonnnen, nach der ersten Mai-Woche werden wir jedoch bereit sein, mit zwei Ausnahmen, entsprechend der Betriebsgenehmigung alle bisher mit Röntgen behandelbaren Tumorarten mit Protonen zu bestrahlen. Die Ausnahmen sind Melanome im Auge und Nachbestrahlungen nach Tumoroperationen an der weiblichen Brust. Für letztere optimiert die PROHEALTH AG derzeit ein Lagerungssystem, das die jüngsten technischen Neuentwicklungen zur Gestalterfassung berücksichtigt, die die Präzision der Protonenbestrahlung voll auszuschöpfen erlauben. 

Individualisierte Dosispläne und Standardverfahren für verschiedene Tumore. Die Gesetzgebung für Strahlenbehandlung in Deutschland, ebenso wie unsere Betriebsgenehmigung, sehen natürlich individuell erstellte Dosispläne für jeden einzelnen Patienten vor. Die PROHEALTH AG beabsichtigt, allen Patienten auf Wunsch ihren eigenen Protonen-Scanning-Dosisplan in laienverständlicher graphischer Darstellung auszuhändigen, und dies jeweils zusammen mit Vergleichsplänen einer konventionellen Röntgentechnik. Der Patient kann damit bildlich und anhand verständlicher Zahlen die Leistungsfähigkeit der beiden Methoden – Optimierung der Nutzstrahlung in den Tumor und Minimierung der Schadensstrahlung in das gesunde Gewebe – orientierend abwägen. Eine solche Methoden-Abwägung schreibt die Strahlenschutzverordnung jedem behandelnden Radioonkologen gesetzlich vor.

Zugleich sind wir vom Gesetzgeber gehalten, sogenannte Standardprotokolle für häufige Tumorarten und ‑lokalisationen theoretisch vorauszuplanen. Die derzeitigen Entwürfe der ProHealth für Protonen-Standardprotokolle können Sie für folgende Tumore einsehen:

Diese zur Orientierung gedachten Protokolle bestehen aus einer Darstellung heute verbreiteter Röntgenverfahren (Photonen), den vorgeschlagenen Standard-Protonenplänen (die individuell dann angepasst und optimiert werden) in Form von Graphiken, und einer tabellarischen Leistungsanalyse mit Erläuterung.